Aus der Zeitung…

Wegbereiter des Treffpunkts Stadtmitte

28.04.2008, Von Christa Ansel

Heute ab 18 Uhr wird eingeladen zur Grundsteinlegung Der Wendlinger Förderverein Musik- und Kulturhaus hat sein Ziel erreicht

WENDLINGEN. Heute Abend ab 18 Uhr gibt es in Wendlingens Stadtmitte ein ganz besonderes Fest. Anlässlich der Grundsteinlegung in Wendlingens neuem Treffpunkt Stadtmitte lädt der Förderverein Musik- und Kulturhaus (FMK) ein zu einem fröhlichen Fest, an dem sich die musischen Vereine der Stadt beteiligen und mit ihrem musikalischen Beitrag zeigen, wie sehr sich alle darüber freuen, dass dieser seit Jahrzehnten gewünschte Bau jetzt Wirklichkeit wird. Grund genug, sich an die Anfänge des Fördervereins Musik- und Kulturhaus zu erinnern, dessen Ziel von Anbeginn an dieses Kulturhaus am Marktplatz war. Die Idee zur Gründung eines Fördervereins hatte Dr. Gabriele Fitzner, die 1995 mit Hilfe einer Zeitungsanzeige Mitstreiter fand.

Ziel des 1995 gegründeten Fördervereins Musik- und Kulturhaus war die ideelle und finanzielle Förderung eines Hauses in der Stadtmitte für alle Musik und Kultur treibenden Vereine zu Zwecken des Übens, des Austausches und des Vortrags. Das Ziel ist erreicht. Auf dem Weg zum Ziel gab es viele Mitstreiter, die ihren Teil zum Gelingen beigetragen haben. Dazu gehört ohne Zweifel der Förderverein Musik- und Kulturhaus, dem es gelungen ist, die musischen Vereine der Stadt für dieses Projekt zu gewinnen und der vor allem dafür gesorgt hat, dass das Thema bei den politisch Verantwortlichen der Stadt nicht in Vergessenheit geriet.

Eng verknüpft ist der Förderverein Musik- und Kulturhaus mit der Wendlinger Ärztin Dr. Gabriele Fitzner. Sie hatte die Idee zur Gründung des Fördervereins, sie ergriff die Initiative, suchte über eine Zeitungsanzeige Mitstreiter und fand diese auch. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Dorothee Wirth, Bernhard und Thessy Kiesler, Ingrid Stetter, Mechthild Hipp, Ingeburg Dobmeier, Gertrud Happe, Christian Koschei, Elke und Roland Schmid und Karin Schmid.

1995 wurde der Förderverein Musik- und Kulturhaus gegründet. Der Weg bis zur Realisierung des Projektes, das schon Jahre zuvor diskutiert wurde und 1991 in einem Bürgerentscheid im Zusammenhang mit den Plänen für die Sportstättenauslagerung vom Tisch gewischt wurde, war lang. Mal gab es Lichtblicke, glaubten die Mitglieder des FMK, ihrem Ziel ganz nahe zu sein, dann wieder machte sich Hoffnungslosigkeit breit.

nProjekt auf der politischen Ebene voranbringen

Dr. Gabriele Fitzner wollte dies so nicht hinnehmen. Ihr Engagement für ein Musik- und Kulturhaus war so groß, dass sie sich bei den letzten Kommunalwahlen im Jahr 2004 auf der Liste der Sozialdemokraten aufstellen ließ, mit 3706 Stimmen insgesamt das viertbeste Ergebnis erzielte, alle Kandidaten der SPD-Liste hinter sich ließ und seitdem die Fraktion im Wendlinger Gemeinderat anführt. Im Wahlkampf hatte sie ihre Motivation für die Kandidatur nie verhehlt, wollte stets das Projekt Stadthaus am Marktplatz auf der politischen Ebene voranbringen. Der Wahlerfolg bestätigte sie darin, war Zeichen dafür, dass weite Teile der Bevölkerung hinter diesem Projekt stehen.

Nach der Vereinsgründung engagierte sich der FMK in großem Umfang für ein Stadthaus. Unterschriften wurden in der Bevölkerung für das Projekt gesammelt, der aktuelle Raumbedarf der Vereine der Stadt an ein solches Haus, in dem nach den Wünschen des FMK von Anfang an auch die Musikschule neue Räume finden sollte, wurden erarbeitet, architektonische Ideen entwickelt und Pläne gezeichnet.

In der Folge gab es zig Varianten, wie in der Stadt der Musikschule ein neues Zuhause, den musischen Vereinen Übungsräume und vor allem Aufführungsräume bereitgestellt werden könnten. Der FMK entwickelte da beispielsweise 1998 die Idee, das Projekt mit einer gewerblichen Nutzung zu verknüpfen und möglicherweise so auch zu finanzieren.

Bald schon war die Kompaktlösung im Gespräch, hatten der FMK und das Stadtbauamt entsprechende Pläne aufgezeigt, die letztlich von den Drei Architekten aus Stuttgart weiterentwickelt wurden. Mitgewirkt hat der FMK beim Stadtmarketingprozess im Jahr 1991, hat sich in die Ortsringe eingebracht und von dort viel Unterstützung erfahren und sich beispielsweise an einer entsprechenden Podiumsdiskussion zum Thema Bolzplatz oder Musikhaus Zur Zukunft der Stadtmitte und an runden Tischen beteiligt. Pläne zur Neunutzung des Otto-Areals auch durch eine Kulturhalle haben dann plötzlich das Projekt ausgebremst. Der Verein stellte im Jahr 2000 dennoch seine Pläne im neuen Gemeinderat und bei einer Bürgerversammlung zum Stadtmarketingforum vor.

Benefizkonzert Schulterschluss aller Vereine

Eine der größten Aktionen war dann 2001 das Benefizkonzert mit allen Musik treibenden Vereinen, der Musikschule und den Unterboihinger Kulissaschiabern in der Sporthalle Im Grund. Das Konzert und der begleitende Bausteinverkauf stieß in der Bevölkerung auf großes Interesse. 2002 wurde die Aktion in einem gemeinsamen Brief der Wendlinger Musik- und Kulturvereine an Bürgermeister und Stadtrat bekräftigt. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass im Haushalt eingestellte Mittel nicht eingesetzt wurden. Im Vorfeld der Kommunalwahl 2004 wurde eine Fragenbogenaktion zur kulturellen Situation bei allen Gemeinderats-Kandidaten durchgeführt und das Ergebnis öffentlich diskutiert.

Der Durchbruch kam für Dr. Gabriele Fitzner allerdings erst mit der Klausurtagung des Gemeinderates 2005. Von den Amtsleitern im Rathaus sei hier hervorragende Arbeit geleistet worden, der Bürgermeister sei dem nicht im Weg gestanden, im Gegenteil, habe der Bildung von Projektgruppen und der Beteiligung der Bürgerschaft zugestimmt. Im Dezember 2006 hat der Gemeinderat den Baubeschluss gefällt, die Baukosten auf 4,9 Millionen Euro gedeckelt. Im August 2007 war der Spatenstich, heute wird der Grundstein gelegt und im April nächsten Jahres soll der Treffpunkt Stadtmitte fertig sein.

Dann, so die Vereinsvorsitzende, wird sich der Förderverein Musik- und Kulturhaus auflösen. Die finanziellen Mittel des Vereins sollen in das neue Haus fließen. Derzeit werden Ideen gesammelt, was mit dem Geld angeschafft werden kann. Wichtig ist dabei, dass alle Nutzer des neuen Treffpunkts davon profitieren.

Dr. Gabriele Fitzner setzte 1995 ihre Idee um und gründete gemeinsam mit Mitstreitern den Förderverein Musik- und Kulturhaus. sel


Erste Konzerte in und rund um „Treffpunkt“

30.04.2008, Von Gaby Kiedaisch

Bau des neuen kulturellen Zentrums schreitet zügig voran Grundsteinlegung im Beisein von vielen Bürgern mit anschließender Hocketse

WENDLINGEN. Die Feste soll man feiern wie sie fallen dieses geflügelte Wort scheint bei den Verantwortlichen der Stadt Wendlingen derzeit auf besonderes Gefallen zu stoßen, wenn man die zahlreichen Feiern betrachtet, die bisher und noch weiter im Zusammenhang mit den Neubauten für die Sporthalle und den Treffpunkt Stadtmitte zelebriert werden. Nach den Feierlichkeiten bei den Spatenstichen, dem Richtfest und der Grundsteinlegung für die neue Sporthalle war also am Montagabend der Rohbau in der Stadtmitte im wahrsten Sinne des Wortes Treffpunkt des Geschehens. Mit der Grundsteinlegung und einem ersten spontanen Konzert auf der Bühne im großen Saal unter freiem Himmel hat das neue Haus schon mal seine erste Feuerprobe bestanden.

Unter den Klängen des Trompetentrios mit Dirigent Martin Schmelcher füllte sich das Foyer des neuen kulturellen Zentrums, das sich noch im Rohbau befindet. Viele geladene Gäste und Bürger wollten diesem einmaligen historischen Akt beiwohnen. Bürgermeister Frank Ziegler begrüßte besonders die designierte Landtagsabgeordnete der SPD Sabine Fohler, den CDU-Bundestagsabgeordneten Markus Grübel, Bürgermeisterkollege Armin Elbl aus Wernau, weitere Vertreter der bürgerlichen und kirchlichen Gemeinde, für die Vereine den Ortsringvorsitzenden Karl Müller, sowie die weiteren Nutzer des Gebäudes stellvertretend Jörg Dobmeier für die Musikschule, Heike Hauß für den Noch-Treff im Keim, Eva Vogelmann für die Volkshochschule und Horst Rödl für die Heimatstube der Egerländer Gmoi. Weiter begrüßte das Stadtoberhaupt den Ehrenbürger der Stadt Bürgermeister i.R. Hans Köhler, der sich im Besonderen für das Stadthaus während dessen Amtszeit eingesetzt hat überhaupt habe jeder bisherige Bürgermeister mit diesem Thema zu tun gehabt, erinnerte Ziegler an die lange Geschichte zur Verwirklichung des Projekts, die schon mit dem Bau der Stadtmitte und dem Rathaus vor 50 Jahren begann und schließlich seinen Abschluss fand am 26. Juli 2005, als der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss fasste.

Die Vergabe an den Architekten konnte danach sehr zügig vonstatten gehen, nachdem aus einem Ideenwettbewerb zur Gestaltung der neuen Stadtmitte Anfang der 1980er Jahre Ansprüche bestanden, führte Ziegler aus.

Im August des letzten Jahres war also der Spatenstich des 5,4 Millionen Euro teuren Hauses, das nach aller Voraussicht im April des kommenden Jahres eingeweiht werden kann. Endlich wird die Baulücke geschlossen, so Ziegler, die schon immer für ein Stadthaus vorgesehen gewesen sei.

Nachdem der Rohbau schon fast steht, war die Grundsteinlegung am Montag ein symbolischer Akt. 25 Jahre nach dem Gewinn des Wettbewerbs zur Stadtmitte, erinnerte auch der Architekt Professor Kai Haag an die lange Geschichte und bescheinigte der Stadt große Verantwortung, Geduld und Ausdauer.

Ihre große Freude zum Ausdruck brachte Dr. Gabriele Fitzner. Die Vorsitzende des Fördervereins Musik- und Kulturhaus hat sich mit ihren Mitstreitern seit 1995 besonders für die Realisierung des Treffpunkts eingesetzt. Sie erinnerte an die verfahrene Situation mit dem Bürgerentscheid 1991. Doch der Förderverein habe fest daran geglaubt, den Karren wieder flott zu kriegen: unter anderem mit Benefizkonzert und mit Bausteinverkauf.

Musik treibende Vereine nehmen Haus in Beschlag

Dass sich Beharrlichkeit und ein Ziel vor Augen bisweilen auszahlen, das hat der Förderverein bewiesen. So galt an diesem Abend der Dank der Vereinsvorsitzenden all jenen, die das Projekt vorwärts gebracht haben, ihr besonderer Dank galt den Amtsleitern Laderer, Herbrand und Vöhringer.

Bürgermeister Zieglers Gruß galt in besonderer Weise den Musik treibenden Vereinen, die sehnlichst auf eine adäquate Aufführungsstätte gewartet haben. Daher war es auch keine Frage, dass der Musikverein Unterboihingen, der Musikverein Wendlingen, der Acappella-Chor der Eintracht Unterboihingen, das Trompeten-Trio, die Big Band der Musikschule Köngen/Wendlingen und der Akkordeonclub Wendlingen an der musikalischen Gestaltung anlässlich der Grundsteinlegung mit vollem Einsatz mitwirkten.

Und zu später Stunde griff denn auch der Vorsitzende des Musikvereins Unterboihingen spontan zum Instrument und musizierte gemeinsam mit den Musikerkollegen vom Musikverein Wendlingen auf der Bühne im Saal. Ein einmaliger Auftritt noch unter freiem Himmel, den es so nie wieder geben wird, wenn demnächst die Decke drauf kommt.


Die Neue Stadtmitte ist jetzt vollständig

18.07.2009, Von Christa Ansel

Bürgermeister Frank Ziegler sprach bei der Einweihung des Treffpunkts vom „langen Weg von der Idee bis zur Realisierung“

Das kulturelle Zentrum Wendlingens ist fertig, die Lücke am Marktplatz geschlossen, die Neue Stadtmitte vollständig. So formulierte es gestern Abend der Architekt der Neuen Stadtmitte und des Treffpunkts, Professor Kai Haag, bei der Einweihung des neuen Stadthauses. Begeistert erlebten viele Gäste gestern ein Eröffnungsprogramm, dessen musikalischer Part tief beeindruckte.

WENDLINGEN. Wendlingens Bürgermeister Frank Ziegler begrüßte eine Vielzahl von Gästen. Unter ihnen Staatssekretärin Karin Roth und sämtliche Bundes- und Landtagsabgeordneten des Wahlkreises, die Bürgermeister aus den Partnerstädten Saint-Leu-la-Forêt und Millstatt, die Verwaltungsspitze aus dem befreundeten Cheb (Eger), Landrat Heinz Eininger und Altbürgermeister Hans Köhler. Sichtlich stolz sprach Ziegler „vom großen Glück, mit diesem Gebäude ein architektonisches und funktionales Glanzstück“ der „Drei Architekten“ in der Stadt zu haben. Auch wenn der Treffpunkt gestern Abend noch nicht fertig war, im Erdgeschoss ein provisorischer Boden verlegt wurde, feierte die Stadt im Beisein vieler geladener Gäste, die alle zum Gelingen des Bauwerks beigetragen haben, die Eröffnung.

Das Wendlinger Rathaus, vor 50 Jahren eingeweiht, sei damals schon als verbindendes Element zwischen den Stadtteilen gebaut worden. Genau 50 Jahre später, so der Bürgermeister, gelinge dies mit dem Treffpunkt wieder, werde die Stadtmitte endlich fertiggestellt. Frank Ziegler skizzierte Stationen auf diesem langen Weg, erinnerte an den ablehnenden Bürgerentscheid 1991. Der Wunsch nach einem Festhaus mitten in der Stadt, die Hoffnung, kulturelle Veranstaltungen endlich außerhalb der wenig einladenden Turn- und Festhallen veranstalten zu können, ist nicht kleiner geworden.

Diesen Wunsch habe er auch bei seinem Amtsantritt 2003 gespürt. Mancher Zufall habe dann ein Karussell angestoßen, das 2005 nach einer Klausurtagung des Gemeinderates in einem „Standort- und Nutzungskonzept für Kultur und Sport“ mündete. Frank Ziegler sprach gestern Abend vom großen Mut, der nötig gewesen war, eine solch gewaltige Investitionssumme zu genehmigen. Immerhin belaufen sich die gesamten Baukosten des Treffpunkts Stadtmitte auf rund 5,6 Millionen Euro.

Der neue Treffpunkt, so Ziegler, sei ein Haus voller Funktionalität, ein Haus für die Zwecke der Stadt, ihrer Bürger, Vereine, der Musikschule, der Volkshochschule und der Egerländer. Viele Menschen hätten sich für die Realisierung dieses Hauses engagiert. Mit der Eröffnung sei ein „bedeutungsvoller Schritt auf dem Weg zu noch mehr Lebensqualität“ getan. Die Stadt sei um einen Standortvorteil reicher.

Professor Kai Haag, der Architekt des Treffpunkts, sprach von der Zeit, die seit dem Wettbewerb zum Ausbau der Neuen Stadtmitte 1982 vergangen sei. „Wir ,Drei Architekten‘ waren 27 Jahre jünger, hatten gerade unser eigenes Büro eröffnet. Man traute uns so eine große Planung kaum zu. Aber es gab hier mutige Leute wie den damaligen Bürgermeister Hans Köhler und Stadtbaumeister Paul Herbrand, Gemeinderäte und die Bauträger, die uns damals mit der Planung beauftragten.“

Wie es bis jetzt aussehe, so der Architekt, sei man beim Bau im Kostenrahmen geblieben, leider nicht ganz im Zeitrahmen. In der Rohbauphase behinderte der kalte und nasse Winter. Nass und feucht waren auch die letzten Monate. So konnte trotz aller Anstrengungen der Estrich nicht komplett austrocknen.

Wendlingen, so Kai Haag, habe nun endlich neben dem kommunikativen Mittelpunkt, dem Marktplatz, auch ein überdachtes zentrales Forum. Den Möglichkeiten der Nutzung seien kaum Grenzen gesetzt. Als Geschenk zur Einweihung hat die Architektengemeinschaft die rote Wand im Foyer aufgewertet, hat dort ganz zart den Lageplan der neuen Stadtmitte dargestellt, in Erinnerung an 27 gemeinsame Planungsjahre. Und für den neuen Bürgertreff gab es viele bunte Kissen für die Sitzbank.

Karl-Michael Müller, Vorsitzender des Ortsrings, dankte dem Förderverein Kultur- und Musikhaus und dessen Vorsitzender Dr. Gabriele Fitzner für das große Engagement, die nicht nachlassende Beharrlichkeit, auch gegen Widerstand dieses Haus zu fordern. Mit dem Treffpunkt habe man mitten in der Stadt einen Ort, in dem sich Menschen ein Bild davon machen könnten, wozu die Wendlinger Vereine in der Lage seien: „Wir freuen uns, dieses Haus endlich zu haben“.

Diese Freude stand auch Dr. Gabriele Fitzner im Gesicht, als sie zurückblickte auf die fast unendliche Geschichte des Stadthauses. Sie erinnerte an ihre persönlichen Beweggründe, den Förderverein zu gründen, an die vielen Ideen, die entwickelt wurden. „Manchmal verwandelt sich ein Klotz am Bein zu einer Stufe zum Erfolg“, beschrieb Dr. Fitzner den oft steinigen Weg von der Vereinsgründung bis zur Auflösung, die am Sonntag geplant ist.

Martin Maier vom Förderverein der Musikschule machte nicht nur aufmerksam auf die Möglichkeit der Mitgliedschaft. Am Geschenk, das er anlässlich des Festes für die Musikschule parat hielt, erkannten die Gäste auch gleich das Vereinsziel: die Musikschule erhält einen Konzertflügel – nicht nur aus Biskuit wie gestern Abend.

Was die Musikschule Köngen-Wendlingen zu leisten im Stande ist, das erlebten die Gäste gestern auf besondere Weise. Das Sinfonieorchester spielte Mozarts Titus-Ouvertüre zum Auftakt. Der Leiter der Musikschule, Jörg Dobmeier, und dessen Kollege aus Wendlingens französischer Partnerstadt, Rémy Salaün, überraschten am Klavier und an der Klarinette mit Astor Piazollas „Tango“. Und der Jugendchor der Musikschule und die Sängerin Carolina Lopez brachten mit „Operator“ von William Spivery mächtig Schwung in das neue Haus. Ein toller Vorgeschmack auf das bunte Programm, das die Wendlinger heute und morgen dort erwartet.

Den gebührenden Schlusspunkt unter das Festprogramm setzten gestern die beiden Pfarrer Paul Magino und Stefan Wannenwetsch, die Wendlingens neuen Treffpunkt Stadtmitte zur Einweihung segneten.

Im Beisein vieler Gäste aus der Stadt und der Region wurde gestern Abend Wendlingens kulturelles Zentrum, der Treffpunkt Stadtmitte, feierlich eingeweiht. Foto: Jürgen Holzwarth


Der Förderverein hat sein Ziel erreicht

21.07.2009, Von Christa Ansel

Beharrlich und voller Engagement die Forderung nach einem Kultur- und Musikhaus verfolgt – Jetzt hat sich der Verein aufgelöst

1995 wurde der Förderverein Musik- und Kulturhaus (FMK) gegründet, am Sonntag wurde der Verein aufgelöst. Alles andere als eine traurige Angelegenheit. Im Gegenteil: Der Verein hat sein Ziel erreicht, das neue Stadthaus am Marktplatz ist eingeweiht.

WENDLINGEN. Initiatorin und Vorsitzende des Fördervereins Musik- und Kulturhaus ist Dr. Gabriele Fitzner. Bei der Einweihung des Treffpunkts Stadtmitte erinnerte sie daran, welche Gefühle sie beschlichen hatten, als sie 1994 die damals kleine Tochter in einem der fensterlosen Musikschulräume abgegeben hatte, in die Stadtmitte hetzte, um während des Unterrichts schnell einzukaufen. Da sei sie immer wieder an der Grünfläche zwischen Rathaus und Bücherei vorbeigegangen, habe sich gefragt, woran es liege, dass die über 50 Jahre alten Pläne für eine Stadthalle an diesem Standort nicht vorangingen.

„Wenn man alleine nicht weiterkommt, schließt man sich mit anderen zusammen.“ Dr. Gabriele Fitzner hat also Mitstreiter gesucht und gefunden. Der Förderverein Musik- und Kulturhaus wurde 1995 gegründet. Das Vereins-Ziel war von Anfang an klar definiert: Ideen zu entwickeln und nicht zu ruhen, bis ein Haus für die Musik und die Kultur den Platz am Markt ausfüllen würde.

Viele Ideen wurden gemeinsam geboren, viele Hallen besichtigt, Pläne in Zusammenarbeit mit Architekten, Projektentwicklern, Vereinsvorständen, der Musikschule und der Stadtverwaltung entworfen, Informationen gesammelt. Diskutiert wurde die Idee eines Multifunktionshauses, immer wieder wurden die Planungsergebnisse dem Gemeinderat präsentiert.

Immer wieder gab auch es Zeiten, in denen man sich dem Ziel ganz nahe wähnte. Und doch wurde alles dann wieder zerschlagen. Bei der Eröffnung des Treffpunkts am Freitagabend haben es vielen Gastredner besonders betont: die Hartnäckigkeit, die Zähigkeit, mit der der Förderverein Musik- und Kulturhaus am Ziel festgehalten hat.

Dass das Projekt jetzt schließlich zu einem solch schönen Ende kam, dazu haben ganz erheblich die Geduld und die Ausdauer der Vereinsvorsitzenden Dr. Gabriele Fitzner beigetragen. Ihr Engagement ging sogar so weit, dass sie sich in der jetzt zu Ende gegangenen Legislaturperiode als Stadträtin in den Gemeinderat einbrachte. Bei der Kommunalwahl im Jahr 2004 war sie mit einem riesigen Stimmenpotenzial gewählt und von der SPD als Fraktionsvorsitzende eingesetzt worden.

„Wir haben nicht lockergelassen und jeden Rückschlag als Ansporn genommen, weiterzuüberlegen.“ So formuliert Dr. Gabriele Fitzner das Engagement eines rührigen Vereins. „Wir sind auf Menschen zugegangen, selbst wenn diese es nicht wollten, wir haben die Menschen zusammengebracht und die Verbindungen gehalten.“ Der Förderverein war es, der für die vielen Vereine aus der Stadt Baupläne gesichtet, Finanzierungsmodelle gerechnet hat. Der Förderverein hat die Koordination übernommen und für „den Schulterschluss erfolgreich geworben“. In der Öffentlichkeit so richtig erkennbar wurde das 2001 beim großen Benefizkonzert in der Sporthalle Im Grund. Hier wurde auch der Grundstein gelegt für die folgenden sieben Konzertnächte der Wendlinger Vereine.

Bei der Eröffnung des Treffpunkts Stadtmitte dankte Dr. Gabriele Fitzner allen Mitstreitern auf dem harten und langen Weg zur neuen Stadthalle. Einen besonderen Dank richtete Dr. Fitzner an Thessy und Bernd Kiesler, die unermüdlichen Organisatoren im Förderverein. „Vielleicht sind wir der erste Verein, der mit Freude feiert, sich auflösen zu können“, meinte Dr. Gabriele Fitzner am Sonntagmorgen, als sie im Rahmen des Frühschoppenkonzertes im neuen Haus die Vereinsauflösung einem großen Publikum verkündete. Man freue sich sehr über das Erreichen des Vereinsziels.

Thessy Kiesler gab den Dank an die langjährige Vereinsvorsitzende Dr. Gabriele Fitzner zurück, die sehr viel „für uns und für unsere Stadt getan hat“. Über 14 Jahre lang habe man gemeinsam im Förderverein beharrlich ein Projekt verfolgt, sei man für Spinner gehalten worden und doch habe man die Stadt mit dem Benefizkonzert regelrecht wachgerüttelt.

Jetzt wo sich der Verein auflöse, gelte es Dank zu sagen einem, der dem Verein treu zur Seite gestanden habe: Joachim Vöhringer, Leiter der Abteilung für Schule, Kultur und Sport bei der Stadt Wendlingen. Und: „Hut ab“ auch vor der Leistung der Hausmeister, die diesen in den zurückliegenden Tagen und Wochen abverlangt worden sei, betonte Thessy Kiesler.

Joachim Vöhringer bekam schließlich vom Förderverein symbolisch ein Holzwägelchen überreicht mit jeder Menge ganz unterschiedlicher Steine. 14 Jahre lang habe der Förderverein den Karren gezogen, jetzt gehe er an Joachim Vöhringer, der künftig weiterziehen müsse, damit in das neue Haus Leben komme.

Ein schönes Überraschungsgeschenk hatten zur Vereinsauflösung und in Dankbarkeit für den Einsatz des Fördervereins Jörg Dobmeier und Sarah Hudarew bereit: am Klavier von Jörg Dobmeier begleitet, sang Sarah Hudarew ein Lied aus der Dobmeier-Komposition „Die Wünschelrute“.

Als ein schönes Symbol, das die Freude über den neuen Treffpunkt zum Ausdruck brachte, lud der Förderverein die vielen Gäste ein zu einem Luftballonstart auf dem Marktplatz. Tausend rote Luftballons, bestückt mit Karten der Absender, erhoben sich gemeinsam in die Lüfte.

Dr. Gabriele Fitzner (links) hat den Förderverein Musik- und Kulturhaus ins Leben gerufen. Jetzt ist das Vereinsziel erreicht, der Treffpunkt Stadtmitte eingeweiht. Am Sonntag hat sich der Förderverein aufgelöst. Tausend rote Luftballons stiegen auch als Ausdruck der Freude vom Marktplatz aus in die Lüfte. Fotos: Tom Bässler


Dank für viele Jahre Engagement

02.07.2009, Von Christa Ansel

Neun Frauen und Männer des Wendlinger Gemeinderates wurden am Dienstag im Rathaus feierlich verabschiedet

Nie zuvor sind so viele Stadträte auf einmal aus dem Gemeinderat der Stadt Wendlingen ausgeschieden. Neun Mitglieder hatten bei der zurückliegenden Kommunalwahl nicht mehr kandidiert und wurden verabschiedet.

WENDLINGEN. Bürgermeister Frank Ziegler verabschiedete die neun Frauen und Männer nicht ohne auf die vielen Themen hinzuweisen, die in der zu Ende gehenden Legislaturperiode des Gemeinderates entschieden wurden. Die Liste der Beschlüsse war lang. Ziegler führte genau 57 Bereiche auf. Beispielhaft zu nennen sind da die großen Projekte Sportpark, Treffpunkt Stadtmitte und Ganztagsschule, die abgeschlossen werden konnten. Eingebettet in Musikbeiträge des Bläsertrios des Wendlinger Musikvereins und von Vertretern der Musikschule (Jörg Dobmeier und Annette Haberkern) würdigte der Bürgermeister die Leistungen der scheidenden Stadträte.

Der Dank ging an Alois Hafner, der seit 1984 der CDU-Fraktion angehörte und der als guter Ratgeber „ein halbes Leben dem Wohl der Stadt gewidmet hat“. Ziegler verabschiedete ihn mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, weiß die Stadt mit Hafner aber künftig gut im Kreistag vertreten.

In 19 Jahren habe Susanne Schwab in der Fraktion der Freien Wähler enormes Engagement aufgebracht, viele, viele Themen diskutiert und mit guten Ideen Entscheidungen geprägt und mitgetragen.

15 Jahre im Gremium mitgearbeitet hat Irmgard Denzinger (CDU). Sie erhielt für ihr Engagement die Bürgermedaille (siehe Bericht unten).

Jeweils eine Legislaturperiode, also fünf Jahre im Wendlinger Gemeinderat waren Edith Amtmann von den Grünen, Dr. Gabriele Fitzner von der SPD, Silke Knutzen-Bernauer von der CDU sowie Frank Schlegel und Volker Kleefeldt von den Freien Wählern. Sie alle hatten auf eine weitere Kandidatur verzichtet. Der Bürgermeister dankte allen herzlich für ihren Einsatz, für ihr Engagement und die Mitwirkung an vielen wichtigen Entscheidungen.

Dr. Gabriele Fitzner, so Bürgermeister Frank Ziegler, habe er als große Fürsprecherin für ausschließlich öffentlich abzuhaltende Gemeinderatssitzungen kennengelernt. Dass Fitzner mit ihrer Forderung nicht alleine steht, signalisierten die vielen Besucher im Sitzungssaal durch Beifall.

Dankesworte für die ausscheidenden Mitglieder gab es auch aus den Reihen der Fraktionen. Ingrid Stetter sprach für die CDU-Fraktion und dankte allen für die gute Zusammenarbeit und Irmgard Denzinger besonders für ihre Bereitschaft, das Gemeinwohl stets vor die eigenen Befindlichkeiten zu stellen. Jürgen Zimmermann sprach für die Freien Wähler, nannte Susanne Schwab eine wertvolle und verlässliche Mitstreiterin, die stets die sachliche Ebene gesucht habe.

Sonja Geiselhart dankte Dr. Gabriele Fitzner für die Fraktion der SPD. „Wir bedauern, dass du nicht mehr dabei bist.“ Vermissen werden auch die Grünen die scheidende Edith Amtmann, der von Ursula Vaas-Hochradl herzlich für ihren Einsatz vor allem im Bereich der Stadtentwicklung und des Stadtmarketings gedankt wurde.

Neun Stadträte wurden am Dienstagabend im Rathaus verabschiedet: (von oben rechts) Frank Schlegel, Alois Hafner, Volker Kleefeldt, Susanne Schwab, Silke Knutzen-Bernauer, Irmgard Denzinger, Dr. Gabriele Fitzner und Edith Amtmann. Bernd Dettinger fehlte krankheitsbedingt. Foto: Tom Bässler

 

SCHWÄBISCHES TAGBLATT, 26.2.2018

Jan Fitzner (links) forderte die Kursteilnehmer auf, kräftig mit dem Stock zuzustoßen.Bild: Carolin Albers
Jan Fitzner (links) forderte die Kursteilnehmer auf, kräftig mit dem Stock zuzustoßen. Bild: Carolin Albers

„Dann muss das krachen“

Selbstverteidigung Senioren können sich auch mit dem Gehstock oder dem Regenschirm wehren. Wie das geht, zeigt der Cane-Fu-Lehrer Jan Fitzner. Von Wolfgang Albers

Wenn Jan Fitzner durch Tübingens Straßen läuft, sieht er viele Be- waffnete. Nicht mit

dem Baseball-Schläger, nicht mit dem Klappmesser, nicht mit dem Revolver oder Sturmgewehr. Sondern ganz legal bewaffnet. Mit dem Gehstock.

Wer jetzt lächelt, weil er sich das Mütterchen mit ihrer Krücke fuch- telnd vorstellt – der war nicht am Samstagmorgen in der Begeg- nungsstätte Hirsch. Dort steht Fitz- ner auf seinem Stock gestützt. Geht plötzlich einen Schritt zurück, legt den Stock auf die Schulter. Dann schnellt der Arm vor, dazu ein ra- scher Schritt nach vorne – und der Stock peitscht in eine Kunststoffmatte. Ein Knall wie ein Schuss ist das, die Matte biegt sich tief durch. So ein Schlag auf den Kopf – da friert einem das Lächeln vielleicht für alle Ewigkeit ein.

Stöcke sind also Waffen– und in der Hand von Senioren wirksame Selbstverteidigungs-Instrumente. Dies lehrt Fitzner seit einigen Jah- ren, Samstag war seine Tübingen- Premiere. Der 63-Jährige ist Allgemeinarzt in Wendlingen, und weiß, dass zu den Beschwernissen seiner älteren Patienten auch ein gestei- gertes Unsicherheitsgefühl gehört.

Wenn die Kräfte nachlassen, fühlt man sich auch in möglichen Konflikten nicht mehr so gewappnet. Und als leichter zu attackierendes Opfer.

Nun ist Fitzner Kampfsportler von Kindheit an, hat es zu hohen Graden in einer Variante des Kung

Wenn ich Selbstverteidigung machen will, dann muss das Pfeffer haben.

Jan Fitzner, Selbstverteidigungs-Lehrer

Fu gebracht und sich in philippini- sche Stockkampfkünste eingeübt. Und ist schließlich auf die Idee ge- kommen: Statt Kampfstöcken kann man auch mit Gehstöcken oder Re- genschirmen hantieren.

Cane Fu nennt er das, vom englischen Wort cane für Stock, ange- lehnt an Kung Fu. So werden All- tagsgegenstände tauglich für den Kampfsport. „Ich habe mir auch schon unendlich überlegt, wie man mit einem Rollator kämpfen kann“, sagt Jan Fitzner. Aber vor allem liebt er seine Gehstöcke. Er sammelt sie, hat schon rund 40 beieinander (dazu einen unzerbrechli-

chen Kampfregenschirm) und ger- ne einen dabei, wenn er unterwegs ist – auch wenn er noch ganz sport- lich zu Fuß ist. Was man alles damit machen kann? Acht Frauen, die äl- teste 88 Jahre alt, und ein Mann üben, wie man mit dem Stock Fäus- te abblockt, Hiebe abwehrt, einen Würgegriff aushebelt.

Oder gleich sich mit einer Atta- cke Respekt verschafft. Und da weiß Fitzner viele Möglichkeiten, vom einfachen sogenannten Flip- Schlag (den Stock zwischen die Beine des Gegenübers hochschnel- len lassen) bis zu der ausgefeilten Choreografie eines Schlaggewit- ters: Erst einen Hieb von seitlich oben auf Schädel oder Schulter, dann weitermachen: „Wenn der Pöbler Alkohol hat, spürt der den Schlag nur halb und ist doppelt so mutig.“

Also weiter: den Stock in den Bauch rammen, den nächsten Stich in die Zähne setzen, von unten ge- gen das Schienbein, dann den Stock wie einen Hammer von oben nie- derkrachen lassen und dann in einer Achterbewegung wie mit ei- nem Samurai-Schwert abwechselnd links und rechts zuschlagen.

Zu gewalttätig? „Das ist eine legi- time ethische Überlegung“, sagt Fitzner. „Aber wenn ich Selbstverteidigung machen will, dann muss das Pfeffer haben, dann muss das krachen.“ Immerhin: „Wenn der am Boden liegt, schlag ich nicht noch drauf, dass es eine Ruhe gibt– das wäre Notwehrexzess.“

Wie realistisch ist eine solche Gegenwehr? Vor allem für jeman- den, der seinen Stock zum Stützen braucht und gar nicht sicher genug auf den Füßen ist für einen solchen Schlagwirbel? Da rät Jan Fitzner zu Bescheidenheit: „Die wichtigste Waffe ist immer noch das Handy, um Hilfe zu rufen.“

Stressige Situationen meiden, bei Verbalattacken zu deeskalieren versuchen – das ist für Senioren die Strategie der ersten Wahl. „Und wenn der 18-Jährige aus dem Mili- eu, der schon 40 Schlägereien hinter sich hat, Geldbörse oder Handy fordert – gebt es raus! Da haben wir Senioren keine Chance.“

Cane-Fu hat andere Zwecke. Es ist auch eine Seniorengymnastik der anderen Art, an der die Teilnehmer sichtlich Spaß hatten. Es ist ein Mittel für den extremen Notfall. Und es ist ein Baustein, das Selbst- bewusstsein zu stärken: „Wenn wir so auftreten, werden wir weniger als ein leichtes Opfer wahrgenommen – und kommen so weniger in heikle Situationen.“